Kleines Logbuch


Auch dieses Jahr haben wir wieder ein 10=7 Angebot genutzt und vom 16.06. - 25.06. mit sechs Personen die "Far away", eine Hanse 341, ab Heiligenhafen gechartert.
Wir konnten die Yacht schon am Vorabend übernehmen, wodurch wir den ersten Tag der eigentlichen Charterzeit schon voll nutzen konnten. Nach Frühstück und Sicherheitseinweisung hätten wir so gleich loslegen können, wenn uns der starke Wind nicht zum abwarten gezwungen hätte.

Das Fotoalbum zu diesem Törn anschauen

Mittwoch, 16.06.
Heiligenhafen - Gedser
Da der Wind, der am Dienstag noch Windstärke 7 (in Böen 9) aus W-NW hatte, erst gegen Mittag etwas abflaute, sind wir erst dann bei raumem Wind mit Kurs auf Gedser ausgelaufen, nachdem der Windmesser nur noch in Böen über 30Kn anzeigte. Da die Seen noch relativ hoch waren und es ab und zu einen Regenschauer gab, war die Überfahrt nicht sehr angenehm. In der flachen Fahrrinne zwischen Gedser Fischereihafen und Yachthafen fiel dann zu allem Überfluss noch der Tiefenmesser aus, der vorher schon (vermutlich aufgrund des immer noch mit 6Bft wehenden NW) 1-1.5m niedrigere Wassertiefen als in der Karte vermerkt anzeigte. Die steilen Seen in dem flachen Fahrwasser, der ausgefallene Tiefenmesser und die ständig überkommende Gischt liess es mir dann sicherer erscheinen, zu wenden und den Fischereihafen anzulaufen, wo uns ein nettes Crewmitglied des örtlichen Rettungskreuzers anbot, die freie Box seines privaten Kutters zu benutzen. Die Box war zwar etwas gross für unsere Yacht, bot aber eine ruhigere Liegemöglichkeit als längsseits am Steg gegenüber dem Rettungskreuzer festzumachen. Um 19:45 Uhr lag unsere "Far away" sicher in der Box und wir machten uns auf, den Ort zu erkunden. Nach uns kamen noch drei weitere Yachten in den Fischereihafen, die es ebenfalls nicht gewagt hatten, den Yachthafen anzulaufen. Auch die Hafenmeisterin, die später auf einem Mofa kam um die Hafengebühr zu kassieren, meinte, es wäre uns vermutlich garnicht gelungen, den Yachthafen anzulaufen.

Donnerstag, 17.06.
Gedser - Hesnæs
Nach einem ausgiebigen Frühstück haben wir um 10:45 Uhr abgelegt, um den kurzen Schlag nach Hesnæs in Angriff zu nehmen. Bei südlichem Wind (4-5 Bft.) konnten wir entspannt platt vorm Wind segeln. Auf halbem Weg tauchte plötzlich eine Schule Schweinswale im Heckwasser auf. Die 5-6 Tiere kamen sehr nah heran und waren im glatten Wasser hinter dem Heck gut zu beobachten. Um 15:00 Uhr lagen wir schon wieder fest im Hafen von Hesnæs. Nördlich des Ortes liegt eine schöne Steilküste mit ausgedehnten Buchenwäldern, in denen man stundenlang herumlaufen kann, ohne einer Menschenseele zu begegnen.

Freitag, 18.06.
Hesnæs - Vejrø
Für diesen Tag war ein langer Schlag nach Vejrø geplant. Daher haben wir das Frühstück verkürzt und schon um 09:10 Uhr abgelegt. Es ging bei schwachem Wind aus N-NW zunächst durch den Grønsund mit seinen beiden Brücken zwischen Falster und Bogø und zwischen Falster und Sjælland, dann durch den Storstrøm und dann mit direktem Kurs auf Vejrø durchs Smålandsvarvandet weiter. Leider kam der Wind den ganzen Tag direkt von vorn. Im Sund war somit Segeln nicht möglich. Später im Smålandsvarvandet stand eine so unangenehme See, das einigen von uns beim Kreuzen schlecht wurde. So entschieden wir uns den letzten Teil der Fahrt auch unter Motor zu absolvieren. Vejrø ist eine sehr kleine Insel, die nur von einem Verwalter, seiner Frau und einem Hund bewohnt wird. Die Insel befindet sich laut dem Verwalter in Privatbesitz von zwei Brüdern und steht für 4.000.000EUR zum Verkauf. Ausser dem guten Hafen gibt es nur einfache Sanitäranlagen, einen sehr kleinen Laden, in dem man auch Brötchen zum Frühstück bestellen kann und 10-15 weitere Häuser, die zurzeit teilweise als Ferienhäuser renoviert werden. Ein lauschiges Urlaubsziel. Man sollte nur nicht vergessen, genügend Bücher einzupacken.

Samstag, 19.06.
Vejrø - Agersø
Bei Sonnenschein und perfektem Segelwind geht es weiter nach Agersø. Kurz vor dem Hafen erwischt uns leider noch ein wolkenbruchartiger Regenschauer. Agersø ist wieder eine recht kleine Insel, von deren Nordspitze Egholm man sehr gut die Brücke über den Grossen Belt sehen kann. Auf Agersø leben 270 Einwohner, denen die Insel in Eignergemeinschaft gehört. Es gibt einen kleinen Kaufmannsladen und eine Fährverbindung nach Stigsnæs. Die Insel ist absolut idyllisch, leider stört der Blick vom Hafen auf die Industrieanlagen von Stigsnæs diese Idylle etwas.
Sonntag, 20.06.
Hafentag auf Agersø
Agersø und das Wetter gefallen uns so gut, dass wir uns einen Hafentag gönnen. Steffi und ich erkunden die Insel und die beiden Halbinseln im Norden und Süden der Insel. Der Rest der Crew hat fährt mit der Fähre nach Stigsnæs, um mal wieder unter Menschen zu kommen und findet tatsächlich am Sonntag offene Geschäfte. Steffi und Enno kaufen einem Fischer zwei Dorsche und vier Schollen für 40 DKK ( knapp 6 EUR ) ab, die abends frisch zubereitet auf den Salontisch kommen.

Montag, 21.06.
Agersø - Svendborg
Es ist wieder frühes Aufstehen angesagt. Svendborg heisst unser nächstes Ziel. Wir queren das Verkehrstrennungsgebiet im Grossen Belt und segeln dann zwischen Langeland und Fyn Richtung Süden. Auf dem Weg verfangen sich vier Hornhechte in unserer Angel, wodurch an Bord hektische Betriebsamkeit ausbricht. Die Fische müssen schliesslich ausgenommen und fürs Abendessen vorbereitet werden. Kurz vor der Einfahrt in den Svendborgsund erwischt uns dann wieder der unvermeidliche Regenschauer. Dafür haben wir dann im Sund schönsten Sonnenschein und fotografieren die tollen Villen am Wasser mit ihren kleinen Bootshäuschen. Wir legen im Handelshafen an der Pontonbrücke an und begeben uns zum Shopping. Später kommen die selbstgefangenen Fische in den Ofen und es wird noch spätabends geschlemmt.

Dienstag, 22.06.
Svendborg - Marstal
Wir legen um 11:10 in Svendborg ab und fahren bei schönem Wetter durch den Svendborg Sund mit Ziel Æroskøbing. Als wir den Højestene Løb passiert haben, kommt über Navtext ein wirklich übler Wetterbericht rein. Die weiteren Aussichten versprechen für Mittwoch auf bis Windstärke 7 auffrischenden Wind mit Gewitterböen und Sichtverminderung. Donnerstag bis Samstag soll es dann mit 7-8 in Böen 9-10 wehen. Es werden Seen bis 3 Meter angesagt. Da ich befürchte, dass der Mittwoch der letzte Tag sein wird, an dem wir die Rückfahrt nach Heiligenhafen über die offene See ohne Probleme wagen können, ändern wir den Kurs nach Marstal. Sehr schade. Ich finde, Æroskøbing ist eins der schönsten Ziele in der Dänischen Südsee, und hätte dort wirklich sehr gerne einen Tag verbracht. So haben wir das noch schöne Wetter genutzt und sind unter Segeln mit teilweise Rumpfgeschwindigkeit durch das sehr schmale Mørkedyb gerauscht. Durch den perfekten Segelwind, der ausnahmsweise auch noch aus der richtigen Richtung wehte, waren wir schon um 15:20 fest in Marstal. Genug Zeit, die wohl letzten Sonnenstunden in der Eisdiele zu nutzen und auch noch etwas die Südspitze der Insel mit ihren kleinen, bunten Strandhütten zu erkunden. Abends haben wir dann keine Lust zu kochen und ordern uns stattdessen Pizza bei der Pizzeria direkt am Steg. Ich hab schon bessere gegessen...

Mittwoch, 23.06.
Marstal - Heiligenhafen
Die Entscheidung, schon jetzt den Absprung zurück nach Deutschland zu machen, erweist sich als goldrichtig. Das Wetter ist wirklich mies und verschlechtert sich im Tagesverlauf auch immer weiter. Kurz nach dem Auslaufen beginnt es zu regnen. Der Regen lässt bis auf kurze Unterbrechungen auch nicht nach, sondern wird eher immer schlimmer. Die See ist schon recht aufgewühlt und unsere Yacht stampft sich immer wieder in den chaotischen Seen fest. Enno steht am Steuer wie ein Fels und lässt sich von dem stundenlangen Regen nicht aus der Ruhe bringen. Lyngby Radio sendet Gale warnings. Eine Stunde vor Heiligenhafen kommen dann auch die versprochenen Gewitter von Land her aufgezogen. Es beginnt zu hageln und man kann keine 20 Meter weit sehen. Jetzt leistet uns das Radar wertvolle Hilfe. Die anderen Yachten, die ebenfalls auf der Flucht vor dem Wetter auf fast parallen Kursen auf Heiligenhafen, Orth oder Burg zusteuern, sind zumindest auf dem Radar noch zu sehen. Kaum haben wir die erste Tonne der Hafeneinfahrt von Heiligenhafen in Sicht, reisst der Himmel auf und wir legen wie immer bei Sonnenschein an. Im windgeschützten Hafen glaubt man kaum noch, was auf dem Wasser für ein Wind geherrscht hat.

Donnerstag, 24.06.
Besuch auf Fehmarn
Das Wetter hat sich tatsächlich noch weiter verschlechtert. Im Radio wird berichtet, dass an der Nordsee ein Häuschen der DLRG mit einer Frau von einer Windhose von seinem Sockel gerissen worden ist. Auch bei uns ist es extrem stürmisch. Wir fahren daher mit den Autos nach Fehmarn und vertreiben uns dort die Zeit.

Freitag, 27.06.
Wir bekommen ein Telefongespräch des Vercharterers mit: Es sitzt wohl noch eine Yacht in Bagenkop fest. Die Seen brechen sich bei auflandigem Wind (immer noch 7-8 in Böen mehr) in der Hafeneinfahrt. Die Yacht wird wohl nicht pünktlich zum Übergabetermin in Heiligenhafen ankommen. Ärgerlich für alle Beteiligten und die Crew, die die Yacht am Samstag übernehmen wollte. Gut, dass wir den Wetterbericht ernst genommen haben, und schon früh den Rückweg angetreten haben! Wir übergeben die Yacht und machen uns auf den Heimweg. Da in Dänemark, Schweden und einigen Bundesländern die Ferien begonnen haben, ist auf den Autobahnen reichlich los. Wir kommen aber trotz einigen Staus recht gut durch.


Das Fotoalbum zu diesem Törn anschauen