Dienstag, 13.06. Greifswald |
Die Anreise nach Greifswald gestaltet sich problemlos, angesichts der tropischen Temperaturen aber doch reichlich anstrengend. Mehr als 5 Stunden Anreise, danach das Verstauen des Gepäcks und des vorbestellten Proviants sowie die Yachtübergabe bei weit über 30 Grad kosten doch Kraft und Nerven. Nachdem alles seinen Platz gefunden hat, machen wir uns schonmal mit dem Schiff vertraut. Da unsere Mitsegler das erste Mal auf einer Segelyacht sind, fällt die Sicherheitseinweisung dementsprechend länger aus. Abends gehen wir Essen in Greifswald. Die Greifswalder Innenstadt ist perfekt restauriert und strahlt den Charme einer alten Hansestadt aus. Auf dem Marktplatz ist ein public Viewingpoint eingerichtet und es läuft ein Vorrundenspiel der WM.
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Mittwoch, 14.06. Greifswald - Stralsund |
Es geht los. Um 8:30 legen wir ab. Vom Yachthafen aus geht es zunächst durch das Ryck zur Klappbrücke im Greifswalder Wiek. Die Brücke ist nach Holländischem Vorbild gebaut und wird stündlich von Hand geöffnet. Nach der Brücke gehts mit nördlichem Kurs durch den Greifswalder Bodden Richtung Strelasund. Da wir gut voran kommen und die Ziegelgrabenbrücke vor Stralsund erst um 17:20 Uhr öffnet, legen wir noch für zwei Stunden in Gustow, einem kleinen Hafen im Strelasund auf Rügen an und geniessen die Landschaft und die reichlich vorkommenden Mücken. Da wir danach immer noch zu früh für die Brückenöffnung sind, machen wir noch einen Abstecher in den Yachthafen Dänholm Süd, der vor der Ziegelgrabenbrücke liegt. Der Hafen ist zwar schuckelig, aber auch sehr voll und die einzigen freien Boxen sind zu schmal für unser Dickschiff. Also doch durch die, nach einigen Ehrenrunden endlich geöffnete Brücke, und zum Yachthafen Nordmole. Sobald sich die Brücke öffnet, stürzen ein ganzer Pulk Yachten mit viel Speed und wenig Abstand in den Hafen, als wären nicht genug Liegeplätze vorhanden. Um dem Getümmel zu entgehen, suchen wir uns eine Gasse ganz im nördlichen Teil aus und schaffen es dank tatkräftiger Unterstützung einiger Stegnachbarn bei starkem Seitenwind unsere Yacht ohne Stegberührung zu vertäuen. Ehrlich gesagt, sind mir bei starkem Seitenwind Boxen mit Heckpfählen lieber als zu kurze Schwimmstege. Da wir noch Zutaten fürs Abendessen brauchen, gehen wir nach dem Anlegen als erstes auf die Suche nach einem offenen Lebensmittelgeschäft. Wie sich rausstellt kein leichtes Unterfangen. Nach einigem Suchen schaffen wir es dann noch kurz vor Ladenschluss, einen offenen Laden zu finden, und fallen später gut gesättigt in die Kojen.
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Donnerstag, 15.06. Stralsund - Hiddenseem |
Leider keine Sonne heute. Dabei wollen wir nach Hiddensee, eine total niedliche Insel westlich von Rügen. Wir legen gegen halb zehn ab und segeln Richtung Norden bis zum Hiddensee Fahrwasser. Dort angekommen, schmeissen wir den Motor an, da, wie uns der Bootsmann verraten hat, dass dort die Wassertiefe vielfach geringer ist, als in der Karte angegeben und in dem engen Fahrwasser dazu auch noch reger Verkehr an Personenfähren herrscht. Die Wassertiefe nimmt dort am Rand der Baggerrinne so aprupt ab, dass 20 Zentimeter neben dem Fahrwasser die Möwen stehen können, sagt der Bootsmann. Er muss es wissen und tatsächlich piepst der Tiefenmesser fast ständig. Es kostet mich zwar einige Nerven, aber letztendlich schaffen wir es ohne Grundberührung in den Yachhafen Vitte Langenort, obwohl der Tiefenmesser zwischendurch mal 1,1 Meter angezeigt hat. Bei 1,45 Meter Tiefgang! Vitte Langenort ist der grösste Yachthafen auf Hiddensee und bietet die beste Chance auf einen Liegeplatz. Leider lässt man sich das aber auch bezahlen. Nirgendwo sonst auf diesem Törn war der Liegeplatz teurer als hier. Dafür endschädigt aber die Insel mit ihrer einmaligen Natur. Wer in diesem Revier unterwegs ist und an Hiddensee vorbei fährt, ist selber Schuld!
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Freitag, 16.06. Hiddensee - Glowe |
Unser heutiges Tagesziel ist eigentlich Lohme. Als wir aber bei bedecktem Himmel das geschützte Fahrwasser zwischen Hiddensee und Rügen verlassen, zeigt sich aber, dass vom starken Wind am Vortag noch eine unangenehme Dünung übrig geblieben ist, die quer zum südöstlichen Wind läuft. Und so kommt es, dass drei Crewmitglieder in den ungeschützten Gewässern nördlich von Rügen zum ersten mal das Wort Seekrankheit am eigenen Leib zu spüren bekommen. Wir beschliessen daher, den nächstmöglichen Hafen anlaufen. Die Schönheit von Kap Arkona mag keiner so recht zu würdigen, als wir auf südlichem Kurz Richtung Glowe dort vorbei kommen. Kaum im Hafen angekommen, reisst der Himmel auf und unsere Seekranken stärken sich erstmal mit Haribo, Tütensuppe und Kuchen. Tststs. Danach erkunden wir den Ort und essen einen Eis an der Strandpromenade.
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Samstag, 17.06. Glowe - Ruden |
Heute steht ein langer Schlag nach Ruden an. Aufgrund der Probleme mit Seekrankheit am Vortag wird beschlossen, dass wir nur nach Sassnitz fahren, wenn es wieder Probleme geben sollte. Gibt es aber nicht. Die Sonne scheint, wir haben leichten Wind und kaum noch Seegang. So geniessen wir die Kreidefelsen vor Sassnitz und nehmen Kurs auf Ruden. Ruden wurde früher militärisch genutzt und steht heute unter Naturschutz. Bis vor wenigen Jahren durfte Ruden nur als Nothafen genutzt werden. Heute kann man den Hafen auch ohne Not anlaufen. Landstrom, Wasser und sanitäre Anlagen sucht man dort aber vergeblich. Nichts für Weicheier ;-). Auf Ruden treffen wir uns mit der zweiten Crew und klarieren gemeinsam beim Grenzschutzboot, das dort liegt, nach Polen aus.
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Sonntag, 18.06. Ruden - Swinemüde |
Viel Sonne, wenig Wind. Wir segeln Richtung Osten aussen an Usedom vorbei, um bei Swinemünde durch die Swine ins Stettiner Haff zu gelangen. Unser Tagesziel ist Swinemünde in Polen. Bei leichtem achterlichem Wind machen wir Schmetterling und nähern uns ziemlich langsam unserem Ziel. Nach sieben Stunden erreichen wir die Swinemündung und klarieren bei den Polnischen Behörden am Grenzabfertigungsanleger auf der Backbordseite ein. Das einklarieren läuft schnell und unkompliziert ab und so machen wir uns bald wieder auf den Weg zum Yachthafen. Die Swinemünder Häfen werden in den meisten Hafenhandbüchern als sehr unattraktiv beschrieben. Das kann ich nicht bestätigen. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem Yachthafen im Nordbassin einlaufend an der Steuerbordseite nach dem Yachthafen "Vier Winde" gemacht. Man kann dort in Boxen, an Schwimmstegen, mit Heckbojen oder am Steg anlegen. Das Hafenbüro ist 24 Stunden besetzt und der Hafenmeister hilft beim Anlegen und ist auch sonst sehr hilfsbereit. Zum Beispiel haben wir erst in Swinemünde bemerkt, dass wir unseren Landstromadapter in Greifswald vergessen haben. Der Hafenmeister ist sofort in sein Auto gesprungen und hat uns einen Adapter besorgt. Leihweise und kostenlos. Die Sanitäranlagen befinden sich noch ein Containern, sind aber besser und sauberer als einige, die wir in Deutschland gefunden haben. Ein neues Gebäude wird gerade gebaut.
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Montag, 19.06. Swinemünde - Ueckermünde |
Nach dem Ausklarieren fahren wir durch Swinemünde Richtung Stettiner Haff. Sobald wir die Stadt mit ihren Hafen- und Industrieanlagen hinter uns gelassen haben, gibt es rechts und links nur noch Natur pur. Der Name Kaiserfahrt passt. Nach der Ausfahrt ins Stettiner Haff würde es sich eigentlich anbieten, das Fahrwasser Richtung Westen zu verlassen. Da man aber zwischen den Fischerfähnchen kaum Wasser ausmachen kann, lassen wir das lieber und folgen den Fahrwassern. An der Grenztonne liegt ein Boot des Polnischen Grenzschutz. Es kann einem passieren, dass man dort nochmal kontrolliert wird. Wir segeln daher dicht ran, werden dann aber von den Grenzern nach einem Blick durch ein riesiges Fernglas durchgewunken. Im Stettiner Haff wird fast überall abseits der Fahrwasser gefischt. Daher nutzen wir das Fernglas häufig und folgen mehr oder weniger den Fahrwassern bis Ueckermünde. Dort angekommen klarieren wir im Stadthafen ein und verholen dann in den Yachthafen Lagunenstadt.
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Dienstag, 20.06. Ueckermünde - Rankwitz |
Wind? Fehlanzeige. Dafür tropische Temparaturen. Wir dümpeln im Stettiner Haff. Macht aber nichts, da die Zecheriner Brücke eh erst um 16:35 öffnet, haben wir alle Zeit der Welt. Nach einiger Zeit wird es aber dann doch zu langweilig, und wir starten den Motor. Am Eingang zum Peenestrom stehen bei Karnin die Reste einer Eisenbahnbrücke, die nach dem zweiten Weltkrieg gesprengt und später als Industriedenkmal wieder aufgebaut wurde mitten im Fahrwasser. Eine weit sichtbare, leider wenig ansprechende Landmarke. Danach wird die Peene enger und nach einigen Kurven kommt die Zecheriner Brücke in Sicht. Dort angekommen werfen wir den Anker und warten auf die Öffnung. Hinter der Brücke erwischen wir ein wenig Wind segeln bis Rankwitz, wo wir gegen 18 Uhr ankommen. Der Hafen Rankwitz ist sehr gepflegt und bietet sehr gute sanitäre Anlagen. Lecker Essen und Trinken kann man dort auch. Sehr empfehlenswert.
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Mittwoch, 21.06. Rankwitz - Freest |
Um halb zehn verlassen wir Rankwitz und setzen gleich ausserhalb des Hafens die Segel. Bei optimalem Wind sind wir schnell am Wolgaster Ort, wo das Fahrwasser wieder sehr eng wird. Dem Fahrwasser folgend erreichen wir gegen 11:30 Wolgast. Genug Zeit für ein Eis, bis die Wolgaster Peenebrücke öffnet. Also legen wir noch schnell im Stadthafen an und überbrücken die Zeit bis zur Brückenöffnung. Zunächst geht es unter Segeln weiter. Nach Karlshagen kommt der Wind dann aber direkt von vorn und der Himmel wird immer schwärzer. Kurz vor der Hafeneinfahrt nach Freest erwischt uns dann der erste Regenschauer auf See. Als wir den Hafen erreicht haben, gibt es aber eine kurze Regenlücke, die wir zum Festmachen im Hafen der Jarling-Werft nutzen. Kaum fest, kommt der nächste Schauer. Der Werfthafen hat gegenüber dem Yachthafen den Vorteil grösserer Tiefe, dafür ist er aber ziemlich eng und hat schon bessere Tage gesehen. Besonders die sanitären Anlagen sind nicht der Hit.
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Donnerstag, 22.06. Freest - Lauterbach |
Bevor es zurück nach Greifswald geht, machen wir noch einen Abstecher nach Lauterbach. Die Crew der zweiten Yacht beschliesst, schon zurück zu segeln. Wir segeln bei super Wind Richtung Norden, wobei bei mir allerdings einige Verwirrung aufkommt. Die Betonnung der Fahrwasser stimmt überhaupt nicht mit den (aktuellen) Karten überein. Mein kleiner tragbarer Kartenplotter, der am Steuerstand angebracht ist, ist deutlich näher an der Realität. Wir finden schliesslich aber doch den Weg durch die Tonnen und legen bei Windstärke 5 aus West im Yachthafen Lauterbach an. Um vom Yachthafen zum Stadthafen zu kommen, muss man die Gleise des Rasenden Roland überqueren und so beschliessen wir beim Essen im Stadthafen, noch eine Fahrt mit dem Rasenden Roland nach Binz zu unternehmen. Die tolle Binzer Seebrücke hatte ich auf dem Törn nach Ruden schon von See aus gesehen und so bot sich die Gelegenheit, auch den Rest noch anzuschauen. Die Fahrt mit der Dampflok gezogenen Schmalspurbahn ist schon toll. Leider zieht der Qualm der Lok in die Waggons und alle Fenster zu schliessen war bei den hohen Temparaturen auch kein Option. Trotzdem hat uns die Fahrt und der Abstecher zum Abschluss des Törns super gefallen.
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Freitag, 23.06. Lauterbach - Greifswald |
Wieder geht es quer über den Bodden. Diesmal Richtung Süden, zurück nach Greifswald. Schade, der Urlaub ist schon wieder vorbei. Der südwestliche Wind dreht westlich und so können wir immer schön am Wind zurück segeln. Vor der Brücke im Greifswalder Wiek nutzen wir die Zeit zum tanken und tuckern dann zurück zum Ausgangspunkt unseres Törns. Nach Ausräumen und Rückübergabe ohne Schäden machen wir uns auf den Rückweg und sind gegen 22 Uhr wieder zuhause.
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GPS-Tracklog dieses Törns
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